You found me in Paris
Highlights
Für die Eine, die mich genau dann traf, als ich mich gefunden hatte.
Heute Nacht, in meiner Verzweiflung zwischen Schreibblockade und Chaos im Kopf, hat es wie eine fantastische Idee geklungen. Jetzt, wo ich hier bin, schwankt meine Entschlossenheit gewaltig, und ich kann nur hoffen, dass sich dieser Kurzschluss in meinem Kopf als eines meiner wenigen genialen Abenteuer herausstellt und nicht als einer meiner vielen Fehltritte.
Von dem abgasbelasteten Stuttgart in das bildgewaltige Paris zu kommen, hatte mein Leben verändert und mein Herz gestohlen.
Zum Glück muss ich nicht die Treppen nach oben. Da hätte ich den Koffer jetzt nicht mehr hochbekommen.
Die Welt um mich herum wird immer unschärfer, verschwimmt zu Pastellfarben und schwebenden Gedanken, und es ist unmöglich, die Augen wieder zu öffnen.
»Sie heißt Amelie Mariné«, erinnere ich sie und fühle, wie mir ganz warm im Bauch wird.
Ich sehe erschrocken weg und weiche in die Wohnung zurück. Es gibt eine Menge Dinge, die ich gehofft hatte, in meinem Leben nie wieder zu sehen. Und männliche Genitalien gehören definitiv ganz oben auf die Liste.
Wenn es eine Emotion schafft, sich an die Oberfläche zu wühlen, dann ist es Angst und ein gutes Stück Überforderung. Es ist zu viel, zu groß, hat das Potenzial, beschissen zu werden, und bedeutet für mich Arbeit, die ich sonst nicht hätte.
Besser so. Denn ich bin richtig, richtig, richtig schlecht darin, mit hübschen Frauen in der Wirklichkeit zu sprechen.
ich bereue bereits, mich hierzu breitschlagen lassen zu haben. Ich hätte den Abend auch, mit einem Tee in der Hand, deprimiert auf einem Sofa liegend verbringen und mir K-Dramen ansehen können.
»Ich liebe Paris. Es ist aber nicht mein erster Besuch«, antworte ich brav und lächle, auch wenn es mich Kraft kostet. Meine soziale Batterie geht langsam gegen null, und ich würde mich lieber zu einem unsozialen Ball zusammenrollen. Außerdem hasse ich Small Talk. Es ist wie ein Spießrutenlauf, ein Halbmarathon, nur dass ich nicht mal weiß, ob ich in die richtige Richtung renne.
Nur nicht diese immer gleichen Fragen, auf die eigentlich niemand wirklich die Antwort hören will. »Wie geht’s dir?« zum Beispiel. Meine Höllenfrage. Was sagt man darauf? »Gut«, auch wenn allen klar ist, dass niemals alles nur gut sein kann und es damit eine Lüge ist? Oder packt man vor fremden Leuten sein wahres Befinden aus, und alle sind dann verschreckt von der Menge an Informationen, die es benötigt, um dem Ausdruck zu verleihen?
Ich bin keine Diva. Ich bin nur neurodivergent. Mein Gehirn läuft ein bisschen anders als das von anderen Menschen. Und manchmal bedeutet das, dass ich ganz bestimmte Bedingungen brauche, damit ich mich wohlfühle oder damit mein Gehirn auch das tut, was es soll. Sätze formulieren zum Beispiel.
»Du hast was verloren, Kleines«
Ich würde gerne rufen: »Fall gelöst! Ich bin ’ne Lesbe und verknallt in meine eigene Buchfigur.« Aber ich weiß, dass es nicht so leicht ist.
Stoffe waren falsch, die Farben auch, und die Schnitte sahen aus, als hätte man sie in den 1980ern gemacht. Statt aufgeplusterter Ärmel und Unterröcke gab es Schulterpolster und eckige Schnittführung. Es war grauenhaft und hat meine Seele verletzt.
Auch wenn ich meinen Stil eigentlich ziemlich gut finde, weil er eine gute Mischung aus Vintage-Woman und Bibliothekarin ist
Ob sie mit Absicht die Farben der Bisexual-Flag trägt, kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich würde mal stark behaupten, ja.
»Na, dann wird es mal Zeit«, freut sich Manon und reibt sich die Hände wie eine Bösewichtin, die mich gleich in ihren genialen Plan einweihen wird, mit dem sie die Stadt in die Knie zwingen wird. Ich würd’s ihr auf jeden Fall zutrauen. Und sie wahrscheinlich sogar unterstützen. Es sollte mehr coole Frauen in Machtpositionen geben. Und ich habe sowieso eine Schwäche für böse Diktatorinnen.
Wir könnten uns dann zum Kaffee treffen und uns WhatsApp-Sprachnachrichten schicken, und ich könnte meine Pinterest-Pinnwand mit ihr teilen.
gezuckerter Sahne
Ich habe sie schon an dem Tag eingespeichert, an dem ich sie bekam. Nur für den Fall, dass ich sie brauche und dann die Serviette nicht wiederfinde, weil ich sie irgendwo hingelegt habe und mir ganz doll merken wollte, wo, und es deshalb sofort vergessen habe.
oder falle in Recherchelöcher auf Wikipedia. Kennst du das? Da sucht man eigentlich nur nach dem Namen eines Architekten und landet dann, ohne es zu wollen, nach dreißig Verlinkungen, beim Fall des Osmanischen Reichs. Oder bei Nullpunktenergie.
ist wie Sahnetorte essen, nur als Berührung. Süß und samtig und etwas, das ich gerne öfter machen würde.
»Du bist süß«, sagt sie, und ich verstehe nicht, wieso.
»Er ist nur ein crazy Fangirl. Darauf sollte man nichts geben. Ich bin ein Gremlin«
»Aber ein süßer Gremlin«
»Und normalerweise recherchiere ich absolut alles. Manchmal fällt mir was auf, und wenn ich es aus irgendeinem Grund nicht sofort recherchieren kann, macht mich das ganz meschugge.«
»Oder noch schlimmer: Ich vergesse, was ich nachschauen wollte, und dann hängt dieser unfertige Gedanke fest wie ein fehlerhafter Code, und der blockiert dann meinen ganzen Kopf für Stunden.«
»Ja, my dear. Du shippst sie nicht mehr. You are too gay to function«, denglischt Luna und dreht sich den Bleistift in die roten Locken.
Ich war’s nicht, Vit. Du hast wohl eine*n Verehrer*in da draußen. 😎😏
klingt wie Butterkaramell
verkriechen, superscharfes Thai-Essen zu bestellen und jeden Moment des Dates Revue passieren zu lassen, jede Unterhaltung noch einmal durchgehen, jede noch so kleine Geste neu betrachten, bewerten, auseinanderpflücken, mich fragen, was wirklich dahintersteckt
Tasche, Handy, Geldbeutel, gehe ich in Gedanken meine Sachen durch, während ich mir den Träger meiner Umhängetasche mit kaputtem Verschluss über den Kopf ziehe,
Irgendwo in den Tiefen meines unordentlichen Koffers habe ich Migränemedikamente, aber keine Kraft, danach zu suchen.
Ich schiele nicht heimlich zum LGBTQIA+-Regal und behaupte vor mir selbst, ich wäre nur ein Ally und nichts weiter.
»Dumm von mir. Ich dachte, ich hätte dich vorhin bei einer Frau stehen gesehen«
»Du bist süß und kreativ und schlau und wunderschön und genau das richtige Maß weird«